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Ist Bargeld der Schlüssel zum Wachstum digitaler Finanzdienstleistungen?

Die Integration von Bargeld in mobile Wallets ist unverzichtbar, um Kunden anzuziehen, für die Onlinezahlungen Neuland sind.

Der Aufstieg der digitalen Finanzdienstleistungen

Die Zunahme digitaler Finanzdienstleistungen als legitime Wettbewerber der etablierten, traditionellen Banken und Zahlungsmethoden hat sich in den letzten zehn Jahren rasant entwickelt.

Angeführt von China, und zunehmend gefolgt von den USA, wird der Wert des globalen Marktes für mobile Wallets in diesem Jahr auf über 1 Billion Dollar und bis 2023 auf 2 Billionen Dollar steigen. Die Akzeptanz von digitalen Banken nimmt in ähnlichem Maße zu; fast 80 Millionen US-Bürger geben an, dass sie bereits ein ausschließlich digitales Bankkonto haben oder planen, ein solches zu eröffnen. In Großbritannien wird sich die Zahl der Erwachsenen mit einem ausschließlich digitalen Bankkonto voraussichtlich auf über 23 Millionen verdoppeln.

Und die Auswirkungen von COVID-19 werden diesen bereits erkennbaren Trend nur noch beschleunigen. Im neuesten Artikel unserer Serie Lost in Transaction: Die Auswirkungen von COVID-19 auf die Zahlungstrends der Konsumenten baten wir 8.000 Personen aus den USA, Großbritannien, Kanada, Deutschland, Österreich, Italien und Bulgarien, uns mitzuteilen, wie sich die sozialen und wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 auf ihre Ausgabengewohnheiten auswirken würden. 38 % sagten, dass sie auch nach dem Ende der Pandemie viel mehr online einkaufen würden, während dieser Anteil in den USA mit 49 % bereits viel höher liegt. Komfort war für deutlich mehr Konsumenten (65 %) ein Einflussfaktor als Sicherheitsbedenken (40 %).

Der Komfort und die starke Kundenorientierung digitaler Finanzdienstleistungen werden gute Argumente für eben diese Konsumenten sein, die nicht mehr das Bedürfnis verspüren, mit ihrer Bank persönlich zu interagieren.

Außerdem entwickelt sich neben einer allgemeinen Verlagerung hin zu NFC-Zahlungsmethoden auch eine Vorliebe für mobile Wallets gegenüber kontaktlosen Karten. 36 % der Konsumenten halten mobile Wallets für sicherer als kontaktlose Karten, da Zahlungen eine biometrische Authentifizierung erfordern, während 23 % zustimmen, dass sie mit einem Mobiltelefon keine kontaktlose Karte benötigen. Diese Einschätzungen waren in den USA am stärksten ausgeprägt. 44 % der US-Konsumenten gaben an, dass mobile Wallets aufgrund der biometrischen Authentifizierung vorteilhaft seien. 33 % waren der Meinung, dass diese den Bedarf an kontaktlosen Karten zunichte machen.

Als Kombination, die sowohl diese bevorzugten physischen als auch digitalen Transaktionsmethoden ermöglicht, sind mobile Wallets noch attraktiver.

Wie passt nun Bargeld in diese neue Landschaft?

Ein konkretes Beispiel dafür, wie der allgemeine Trend zur Umstellung auf digitale Dienste den Zahlungsverkehr verändert, ist die sich verändernde Beziehung zwischen Konsumenten und Bargeld.

Trotz des Aufkommens digitaler Finanzdienstleistungen als bevorzugte Banking- und Zahlungsmethode für viele Konsumenten ist ihnen nach wie vor klar, dass Bargeld ein zentraler Bestandteil ihrer Ausgabenpläne bleibt. Statt in Konkurrenz zu treten, kann die Integration von Bargeld in das Produktangebot für mobile Wallets und Finanzdienstleistungen schnell zu einem Wettbewerbsvorteil werden, wenn es um Kundenbindung geht.

93 % der Konsumenten gaben in unserer jüngsten Umfrage an, dass sie nach wie vor Bargeld an Geldautomaten abheben. 72 % erklärten, dass sie sich Sorgen machen würden, wenn sie nicht mehr auf Bargeld zugreifen könnten. Darüber hinaus gaben 40 % der Konsumenten an, dass sie Produkte und Dienstleistungen online mit Bargeld kaufen würden, wenn sie könnten. 36 % sagten, dass sie mehr online einkaufen würden, wenn Bargeld eine verfügbare Zahlungsmethode wäre.

Der Wunsch, Bargeld online auszugeben, ist in den USA besonders stark vorhanden. 47 % der US-Konsumenten gaben an, dass sie Produkte online mit Bargeld kaufen würden, wenn dies einfacher möglich wäre. 43 % erklärten, dass sie mehr online einkaufen würden, wenn sie mit Bargeld bezahlen könnten.

Integration von Bargeld in digitale Finanzdienstleistungen

18 % der Konsumenten haben seit dem Ausbruch von COVID-19 zum ersten Mal Online-Shopping betrieben. In den USA liegt der Anteil sogar bei 25 %. Ein Hauptgrund dafür, dass diese Konsumenten zuvor noch kein Geld online ausgegeben haben, ist das Misstrauen bei der Weitergabe finanzieller Details an Online-Händler. Insgesamt 48 % der Konsumenten gaben an, dass sie Bedenken haben, ihre finanziellen Daten für eine Zahlung einzugeben, und 56 % gaben an, dass sie sich wohler fühlten, mit einer Prepaid-Karte oder einem Gutschein zu bezahlen, wenn ihre finanziellen Daten den Händlern nicht mitgeteilt werden. Daher ist es nachvollziehbar, dass diese Konsumenten Bargeld als Alternative zu Bankkarten verwenden wollen, wo immer dies möglich ist.

Mobile Wallets und Banking-Apps, die es den Nutzern ermöglichen, ihr Konto mit Bargeld aufzuladen, erfüllen dieses Bedürfnis jener potenziellen Kunden, die mit Bargeld bequem online für Produkte und Dienstleistungen bezahlen wollen. Durch die Integration einer eCash-Lösung in ein dichtes Netz von physischen Partnerfilialen können digitale Finanzdienstleistungen Betriebskosten minimieren, digital bleiben und sich auf die Bereitstellung eines optimalen Kundenerlebnisses konzentrieren. Darüber hinaus können sie einen neuen Markt von Kunden ansprechen, die mit digitalen Händlern und kontaktlosen Zahlungsmethoden durch Bargeld in Kontakt treten wollen.

Und dieser Zielmarkt wird wachsen. Konsumenten werden auch in Zukunft vom digitalen Handel und mobilen NFC-Wallets angezogen werden, sowohl aufgrund der langfristigen Auswirkungen von COVID-19 als auch aufgrund anderer Faktoren wie der stärkeren Verbreitung von Smartphones und der Einführung von 5G. Diejenigen Konsumenten, die aufgrund Sicherheitsbedenken oder fehlenden Bankkonto oder Karte lieber Bargeld ausgeben, werden also weiter zum E-Commerce hingezogen, wodurch ein noch attraktiverer Wachstumsanteil für digitale Finanzdienstleistungen entsteht.

Digitalen Finanzdienstleister, welche die Anforderungen dieser Konsumenten verstehen und erfüllen, werden nicht nur eine größere Markentreue bei ihren bestehenden Kunden erzeugen, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil haben, denn auch die traditionellen Konsumenten kaufen zunehmend online ein.

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