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Sind Barzahler zukünftige Kunden von Challenger-Banken?

Ein gemeinsames Merkmal von digitalen Banken ist es, dynamisch und agil zu sein, insbesondere im Streben nach einer besseren Nutzererfahrung für die Kunden. Dies ist ein wichtiger Faktor, der ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Banken verschafft. Und während Bargeldkonsumenten in Bezug auf Finanzdienstleistungen eine eher konservative Bevölkerungsgruppe darzustellen scheinen, ist diese Gruppe, insbesondere in Zeiten der globalen Pandemie, ein zunehmend attraktives Ziel für digitale Banken.

COVID-19 hat nicht nur die Verwundbarkeit vieler nationaler Gesundheitssysteme weltweit aufgezeigt, sondern auch, wie wirtschaftlich fragil viele Gruppen innerhalb der Gesellschaft sind – besonders die aus finanzieller Ausgrenzung resultierenden Schwierigkeiten wurden dabei deutlich.

Nach Angaben der Weltbank gab es 2017[1] weltweit etwa 1,7 Milliarden Menschen ohne Bankverbindung. Diese Zahl ist in etwa so hoch wie die Bevölkerung von Indien und den USA zusammen und entspricht 22 % der Weltbevölkerung. Auch wenn die Zahl der Menschen, die keine Bankverbindung haben, stetig abnimmt, zeigt eine aktuelle FDIC-Umfrage aus dem Jahr 2019, dass immer noch über 7 Millionen der US-Haushalte keinen Zugang zum Banking haben. Davon gibt fast die Hälfte (48,9 %) an, dass sie nicht genug Geld haben, um die Voraussetzungen für ein Bankkonto zu erfüllen, und 34,2 % sagen, dass die Gebühren einfach zu hoch sind.

Warum digitale Banken ein Rettungsanker für Bargeldkonsumenten sein könnten

Die zu hohen Kosten des traditionellen Bankgeschäfts sind ein wichtiges Argument für digitale Banken, sich stärker auf diese breite neue Kundengruppe zu konzentrieren. Viele bieten ihre grundlegenden Dienste kostenlos an. Dies wäre für die Konsumenten attraktiv, die es sich aufgrund der monatlichen Gebühren nicht leisten können, ihr Geld auf traditionellen Bankkonten aufzubewahren.

Diese kostenlosen Bankkonten sind zwar digital, aber dennoch nicht komplett virtuell. Einige Challenger-Banken ermöglichen es ihren Kontoinhabern, die ihre Zahlungen mit Bargeld leisten wollen, mit der Bankkarte an Geldautomaten Banknoten abzuheben.

Zudem ist dieser einfache Zugang zum bevorzugten Zahlungsmittel vieler Kunden nicht auf das Land ihres Wohnsitzes beschränkt, sondern auch im Ausland möglich. Das Reisen ist zwar aufgrund der Pandemie noch nicht möglich, wird aber wahrscheinlich beträchtlich zunehmen, sobald die Krise überwunden ist.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die technologische Zugänglichkeit. Challenger-Banken nutzen modernste Technologien, um das Geldmanagement so reibungslos und einfach wie möglich zu gestalten. Am wichtigsten dabei ist, dass alle Dienste auf mobilen Apps verfügbar und optimiert sind. Es ist mittlerweile normal, das Online-Banking einfach mit dem Smartphone zu bedienen. Wenn man bedenkt, dass über 48 % der Weltbevölkerung ein Smartphone besitzt, müssen alle Fintech-Unternehmen gut entwickelte Anwendungen in diesem Bereich einsetzen, um neue Kunden zu gewinnen. Challenger-Banken gehören mit Sicherheit zu dieser Kategorie. Laut der Mastercard-Analyse von 2019 könnten potenziell 32 % der weltweiten Bevölkerung ohne Bankkonto ein solches eröffnen – allein aufgrund der Tatsache, dass sie bereits ein Mobiltelefon besitzen.

Gewinnung von Marktanteilen

Für digitale Banken existiert der Wettbewerb um ihren Marktanteil an zwei Fronten. Auf der einen Seite müssen sie wettbewerbsfähig bleiben und traditionelle Bankkonkurrenten herausfordern, auf der anderen Seite sind sie bereits mit einem wachsenden Interesse an Fintech-Dienstleistungen konfrontiert, das von Technologieriesen wie Google ausgeht. Angesichts der Tatsache, dass diese Tech-Giganten mit stationären Händlern zu kooperieren planen, um die bargeldorientierte Kundschaft leichter zu erreichen, darf die Thematisierung von Barzahlern nicht vernachlässigt werden.

Um Marktanteile bei Bargeldkonsumenten zu gewinnen, müssen Challenger-Banken glaubwürdig und vertrauenswürdig sein. In der aktuellen Global Banking Consumer Study, die von Accenture im Dezember 2020 veröffentlicht wurde, werden diese Konsumenten in vier Gruppen unterteilt: Pragmatiker, Traditionalisten, Pioniere und Skeptiker, von denen jeder eine andere Herausforderung mitbringt. Ihnen allen ist ein Mangel an Vertrauen gemeinsam, und genau darauf müssen sich die Challenger-Banken konzentrieren. Dies gilt insbesondere deshalb, weil alle aufgeführten Gruppen Einwände gegen die Digitalisierung des Finanzwesens haben, ohne die keine der Challenger-Banken existieren könnte.

eCash als fließender Übergang

Einfache eCash-Lösungen wie Paysafecash bieten einen fließenden Übergang von der traditionellen „Nur-Bargeld-Haltung“ der Barzahler zu den voll digitalisierten Finanzsystemen der Challenger-Banken. Einige Banken haben das Potenzial der einfachen Einzahlung mit Bargeld bereits erkannt und bieten es ihren Kunden an, ohne sie von ihrem bevorzugten Zahlungsmittel wegzudrängen, wie wir hier bereits beschrieben haben.

In dem Moment, in dem Challenger-Banken diese Gruppen in ihr finanzielles Ökosystem einbinden, werden sie von den traditionellen Banken als zunehmend gefährliche Konkurrenz wahrgenommen. Es scheint nur noch eine Frage des „Wie und Wann“ zu sein, bis sich die aktuelle Krise in eine Chance verwandelt, Barzahler als zukünftige Kunden der Challenger-Banken zu gewinnen. Und das „Wann“ wird wahrscheinlich eher früher als später eintreten, weil auch die Konkurrenz gelernt hat, effektiv und schnell zu handeln.

 


[1] Der aktuellste Stand.

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