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Warum Barzahlungen auf der ganzen Welt so beliebt sind: eine Fallstudie aus drei Ländern

Egal, ob Sie online oder in einem Geschäft vor Ort einkaufen – es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie bezahlen können. Doch während sich die Kunden an diese Fülle von Zahlungsmöglichkeiten gewöhnt haben – und die meisten eine Transaktion nicht abschließen[1], wenn ihre bevorzugte Methode nicht verfügbar ist – scheint niemand von uns bereit zu sein, das Bargeld endgültig aufzugeben.

Dies gilt unabhängig davon, wie sicher, bequem oder weit verbreitet der bargeldlose Zahlungsverkehr ist. Eine neue Studie hat ergeben, dass die Menschen in Ländern, in denen bargeldloser Zahlungsverkehr gang und gäbe ist, eher dagegen sind, komplett bargeldlos zu bezahlen.

Was ist also das Geheimnis der anhaltenden Beliebtheit von Bargeld angesichts der wachsenden Konkurrenz durch digitale Alternativen?

Wir haben uns die Einstellung der Kunden zum Zahlungsverkehr in Peru, den USA und Deutschland angeschaut, um herauszufinden, wie Bargeld in die lokale Zahlungslandschaft passt.

Barzahlungen in Peru: Schließung der Lücke der finanziellen Inklusion

Barzahlungen sind für viele Menschen in Lateinamerika nach wie vor die bevorzugte Zahlungsmethode, und sie machen immer noch mehr als die Hälfte aller persönlichen Transaktionen aus. Andere Finanzprodukte und Fintechs werden immer beliebter, aber für viele ist Bargeld das einzige Instrument, das ihnen zur Verfügung steht. Nehmen Sie zum Beispiel Peru.

Obwohl die finanzielle Inklusion in Peru immer mehr an Bedeutung gewinnt, gibt es trotzdem noch viel Luft nach oben. Nur 44 % der peruanischen Erwachsenen besaßen bei Ausbruch von COVID-19 zumindest ein Finanzprodukt, die allermeisten davon (42 %) ein Sparkonto. Die Akzeptanz von Bankkarten ist noch geringer: Anfang 2020 besaßen nur 3 % der Konsumenten eine Kreditkarte.

Die Umstellung auf den elektronischen Handel wächst schneller als die Akzeptanz von Finanzdienstleistungen. Einer der Gründe dafür ist neben dem weltweiten Trend zur Digitalisierung, der durch die Pandemie beschleunigt wird, die Tatsache, dass die Verbreitung von Smartphones die finanzielle Inklusion übertrifft. Und das gilt nicht nur für Menschen, die bereits ein Bankkonto haben. In ganz Lateinamerika ist die Einführung von Smartphones bei denjenigen, die derzeit keine Kreditkarte besitzen, schneller gestiegen als bei denen, die eine haben. Insgesamt ist nur die Hälfte der Konsumenten, die ein Smartphone besitzen, auch im Besitz einer Kreditkarte.

Und es ist nicht nur der mangelnde Zugang zu Kredit- und Debitkarten, der sich auf die Art und Weise auswirkt, wie Konsumenten online bezahlen. Oft bevorzugen Peruaner digitale Wallets oder Banking-Apps, weil sie nicht darauf vertrauen, dass ihre finanziellen Daten bei Kartenzahlungen sicher sind. Sie sind diese Art von Zahlungsmethode eher gewohnt oder haben negative Erfahrungen mit Kartenablehnungen gemacht. Und sie wollen ihre digitalen Geldbörsen auch ohne Kartenzahlung aufladen, wobei direkte Banküberweisungen, ebenso wie eCash, zu den beliebtesten Methoden gehören.

In vielen Fällen behindert die Vorliebe für Bargeld das Wachstum des Online-Zahlungsverkehrs nicht, sondern unterstützt es vielmehr. In Lateinamerika sind viele der bevorzugten Online-Zahlungslösungen solche, die das Ausgeben von Bargeld im Internet erleichtern.

Die Zahlungslandschaft in den USA

Nach unseren neuesten Lost-in-Transaction-Daten sind Karten die beliebteste Online-Zahlungsmethode der Amerikaner.

So werden 38 % der Zahlungen an Verkaufsstellen in den USA mit einer Kreditkarte getätigt, die zweitbeliebteste Methode ist die Debitkarte. Auch wenn Karten weithin akzeptiert werden und relativ leicht zu bekommen sind, scheint dies der Beliebtheit von Bargeld keinen Abbruch zu tun. Trotz der Verbreitung digitaler Alternativen wie Venmo und Walmart Pay ist Bargeld nach wie vor die drittbeliebteste Zahlungsmethode an US-amerikanischen Checkouts.

Unseren Untersuchungen zufolge liegt einer der Hauptgründe darin, dass die USA bei der Einführung des kontaktlosen Zahlungsverkehrs noch relativ im Rückstand sind.

In Ländern, in denen sich das kontaktlose Bezahlen durchgesetzt hat, hat es das Bargeld als bevorzugtes Zahlungsmittel für geringwertige Transaktionen abgelöst. Im Jahr 2020 haben ein Drittel der Amerikaner das kontaktlose Bezahlen noch nicht ausprobiert. Wenn sich diese Konsumenten erst einmal mit der neuen Technologie vertraut gemacht haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dem Beispiel folgen werden.

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass das Bargeld in den USA in absehbarer Zeit vollständig abgelöst wird – und zwar aus zweierlei Gründen.

Erstens: Auch wenn die meisten Amerikaner problemlos Zugang zu Bankdienstleistungen haben, gibt es immer noch eine beträchtliche Anzahl von Menschen, die keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu einer Bankverbindung haben. Im Jahr 2020 hatten 95 % der US-Haushalte Zugang zu mindestens einem Bankkonto. Somit können 7,1 Millionen Menschen nur dann am Wirtschaftsleben teilhaben, wenn sie bar bezahlen können. 63 Millionen Amerikaner haben weiterhin kein Bankkonto oder nehmen nur wenige Bankdienstleistungen in Anspruch.

Zweitens: Neun von zehn Amerikanern halten die Privatsphäre für ein Menschenrecht. Und viele sind der Meinung, dass eine völlige Bargeldlosigkeit diese gefährden würde. Infolgedessen gibt es immer mehr Widerstand, und mehrere Staaten haben bargeldlose Geschäfte verboten.

Gegen den Trend: Deutschlands langjährige Liebesbeziehung zum Bargeld

Unter den Industrieländern ist Deutschland ein Ausreißer, wenn es um Zahlungen geht.

Die deutschen Kunden benutzen eher Bargeld als Kreditkarten, selbst bei größeren Anschaffungen. Während die Kunden in Ländern, in denen Bargeld weit verbreitet ist, den Übergang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr in der Regel als positiv empfinden, sehen das die Deutschen anders herum: 30 % sind gegen eine vollständig bargeldlose Gesellschaft.

Die Affinität der Deutschen zum Bargeld ist Teil der nationalen DNA. Der Historiker Robert Muschalla stellt fest, dass Finanzkrisen wie die Panik von 1873 und die Hyperinflation in den 1920er Jahren zu der weit verbreiteten Überzeugung geführt haben, dass es besser ist, Geld in seiner greifbarsten Form – als Banknoten und Münzen – aufzubewahren, statt es in immateriellen Werten wie Karten, Aktien und Anteilen zu deponieren.

Infolgedessen ist es üblich, dass Händler nur Bargeld akzeptieren. Und wenn die Deutschen von Kartenzahlungen sprechen, meinen sie immer Debitkarten, nicht Kreditkarten.

Die Deutschen bevorzugen Bargeld aber auch aus anderen Gründen.

Einer Studie zufolge schätzen sie die Privatsphäre mehr als die Amerikaner.

Ein noch wichtigerer Grund ist folgender: Zwar kommt Betrug nicht oft vor – wahrscheinlich, weil Kartenzahlungen selten sind – aber die Opfer bekommen dafür ihr Geld mit geringerer Wahrscheinlichkeit zurück als die Menschen in den USA. Deshalb halten 49 % der Deutschen die Zahlung gegen Rechnung für sicherer als die Kartenzahlung im Internet.

Die COVID-19-Pandemie hat dazu geführt, dass die Deutschen zum ersten Mal davon abgehalten wurden, in bar zu bezahlen. Doch alte Gewohnheiten lassen sich nur schwer ablegen. Vor allem, wenn diese Gewohnheiten ein jahrhundertealter Teil des nationalen Bewusstseins sind. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass die Deutschen in absehbarer Zeit völlig bargeldlos werden.

Wie unterschiedlich unsere Lebensumstände auch sein mögen, uns allen ist das Bargeld gemeinsam

Kreditkarte. Debitkarte. Kontaktlos. Digitale Wallet. Mobile Zahlungen. Peer-to-Peer-Zahlungen. Kryptowährungen.

Es gibt eine immer länger werdende Liste alternativer Zahlungsmethoden, die alle versprechen, schneller, bequemer und sicherer als Bargeld zu sein. Doch auch wenn diese neuen Methoden auf lange Sicht ihren Ansprüchen gerecht werden können, ist es unwahrscheinlich, dass wir das Bargeld endgültig aufgeben werden.

Ob physische Banknoten und Münzen oder digitale Formate wie eCash – Bargeld erfüllt Kundenbedürfnisse, bei denen andere Zahlungsmethoden ihre Grenzen haben.

Und manchmal ist die schnellste, bequemste und sicherste Zahlungsmethode nicht die neueste digitale Technologie. Es ist die bewährte und erprobte Methode, die wir schon immer kannten.

 

[1] www.paysafecash.com/fileadmin/1_Sitemap/footer/business/downloads/Lost_in_Transaction_Consumer_Payment_trends_2021.pdf

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